23 September 2010 - 20:30

Der Gouverneur der nordirakischen Provinz Ninive hat der US-Armee vorgeworfen, sie habe bei einer Razzia unerlaubt Dutzende von Zivilisten gefangen genommen.

Dies verletze das Truppenabzugsabkommen, das der Irak und die USA geschlossen hatten. Das Abkommen erlaubt Festnahmen durch die US-Truppen nur, wenn die irakischen Behörden diese angeordnet haben. Außerdem müssen die Festgenommenen binnen 24 Stunden an die Iraker überstellt werden.
Der Gouverneur, Athiel al-Nudschaifi, sagte in der Nacht zum Freitag, die «amerikanischen Besatzungstruppen» hätten bei einer Luftlandeoperation in dem Bezirk Sammar am Donnerstag zahlreiche Anhänger seiner Hadaba-Partei gefangen genommen, darunter auch islamische Prediger. Das US-Militär, das seinen Kampfeinsatz offiziell Ende August beendet hatte, wollte den Vorfall nicht kommentieren.
Die Zahl der im Irak stationierten US-Soldaten war gemäß der Truppenabzugsvereinbarung zum 1. September auf maximal 50 000 reduziert worden. Etwa ein Zehntel dieser Soldaten sind Angehörige von Sondereinheiten, die auf Wunsch der irakischen Sicherheitskräfte auch noch an Razzien und Kampfeinsätzen teilnehmen. Selbstständige Operationen ohne irakische Beteiligung sind jedoch nicht mehr erlaubt.
Die Festnahmen im Bezirk Sammar sieht der Gouverneur im Zusammenhang mit der Kampagne seiner Partei gegen die für den 24. Oktober geplante Volkszählung. Die Hadaba-Partei will die Volkszählung auf die Zeit nach der Bildung einer neuen Regierung verschieben. Außerdem ist sie dagegen, dass bei diesem Zensus erhoben wird, welcher Religion und welcher Volksgruppe die Bewohner der einzelnen Bezirke angehören. «Das ist ein Angriff auf die Einheit des Irak», sagte Al-Nudschaifi.
Ein Vertreter der Kurdischen Demokratischen Partei in Mossul erklärte dagegen, die Volkszählung müsse unbedingt wie geplant durchgeführt werden. Die Kurden wollen dadurch langfristig erreichen, dass bestimmte Gebiete in der Umgebung der Städte Mossul und Kirkuk Teil des Autonomiegebietes der Kurden werden.
Die 400 Kilometer nördlich von Bagdad gelegene Stadt Mossul gehört zu den Hochburgen der Al-Kaida-Terroristen im Irak. Am Freitag verhinderte die Polizei von Mossul nach eigenen Angaben, dass sich ein Selbstmordattentäter mit einem Sprengstoffgürtel vor dem Freitagsgebet in einer Moschee in die Luft sprengte. Sie erschossen den Attentäter. Auch ein Polizist kam dabei ums Leben. Durch weitere Attentate starben in Mossul und Bagdad am Freitag sechs Menschen.