Dies verletze das Truppenabzugsabkommen,
das der Irak und die USA geschlossen hatten. Das Abkommen erlaubt
Festnahmen durch die US-Truppen nur, wenn die irakischen Behörden diese
angeordnet haben. Außerdem müssen die Festgenommenen binnen 24 Stunden
an die Iraker überstellt werden.
Der Gouverneur, Athiel
al-Nudschaifi, sagte in der Nacht zum Freitag, die «amerikanischen
Besatzungstruppen» hätten bei einer Luftlandeoperation in dem Bezirk
Sammar am Donnerstag zahlreiche Anhänger seiner Hadaba-Partei gefangen
genommen, darunter auch islamische Prediger. Das US-Militär, das seinen
Kampfeinsatz offiziell Ende August beendet hatte, wollte den Vorfall
nicht kommentieren.
Die Zahl der im Irak stationierten US-Soldaten
war gemäß der Truppenabzugsvereinbarung zum 1. September auf maximal 50
000 reduziert worden. Etwa ein Zehntel dieser Soldaten sind Angehörige
von Sondereinheiten, die auf Wunsch der irakischen Sicherheitskräfte
auch noch an Razzien und Kampfeinsätzen teilnehmen. Selbstständige
Operationen ohne irakische Beteiligung sind jedoch nicht mehr erlaubt.
Die
Festnahmen im Bezirk Sammar sieht der Gouverneur im Zusammenhang mit
der Kampagne seiner Partei gegen die für den 24. Oktober geplante
Volkszählung. Die Hadaba-Partei will die Volkszählung auf die Zeit nach
der Bildung einer neuen Regierung verschieben. Außerdem ist sie
dagegen, dass bei diesem Zensus erhoben wird, welcher Religion und
welcher Volksgruppe die Bewohner der einzelnen Bezirke angehören. «Das
ist ein Angriff auf die Einheit des Irak», sagte Al-Nudschaifi.
Ein
Vertreter der Kurdischen Demokratischen Partei in Mossul erklärte
dagegen, die Volkszählung müsse unbedingt wie geplant durchgeführt
werden. Die Kurden wollen dadurch langfristig erreichen, dass bestimmte
Gebiete in der Umgebung der Städte Mossul und Kirkuk Teil des
Autonomiegebietes der Kurden werden.
Die 400 Kilometer nördlich von
Bagdad gelegene Stadt Mossul gehört zu den Hochburgen der
Al-Kaida-Terroristen im Irak. Am Freitag verhinderte die Polizei von
Mossul nach eigenen Angaben, dass sich ein Selbstmordattentäter mit
einem Sprengstoffgürtel vor dem Freitagsgebet in einer Moschee in die
Luft sprengte. Sie erschossen den Attentäter. Auch ein Polizist kam
dabei ums Leben. Durch weitere Attentate starben in Mossul und Bagdad
am Freitag sechs Menschen.
23 September 2010 - 20:30
News ID: 206156
Der Gouverneur der nordirakischen Provinz Ninive hat der US-Armee vorgeworfen, sie habe bei einer Razzia unerlaubt Dutzende von Zivilisten gefangen genommen.